Kaum ein Thema in diesem Feld wird mit so viel Zuversicht verkauft und mit so wenig Beleg gestützt. Deshalb der Reihe nach.

Was die Datei ist

Ein Vorschlag aus dem Jahr 2024: eine Datei namens llms.txt im Wurzelverzeichnis, geschrieben in Markdown, die einer Maschine in geordneter Form mitteilt, worum es auf dieser Website geht und welche Seiten die wichtigsten sind. Gedacht als Abkürzung – statt eine verschachtelte Navigation zu erschließen, liest ein System eine aufgeräumte Übersicht.

Die Idee ist nicht abwegig. Sie ist nur bislang eine Idee.

Was fehlt

Es gibt kein Gremium, das den Vorschlag verabschiedet hätte. Vor allem aber hat kein großer Anbieter von Sprachmodellen öffentlich bestätigt, die Datei auszuwerten. Es existieren Vermutungen, Beobachtungen einzelner Zugriffe und viel Wiederholung in Fachbeiträgen – aber keine Zusage von der Seite, auf die es ankäme.

Damit steht die Datei in einer Reihe mit anderen gut gemeinten Zusatzangaben aus der Geschichte der Suchmaschinenoptimierung, die eine Zeit lang für unverzichtbar gehalten wurden und dann verschwanden. Ob es diesmal anders ausgeht, ist offen.

Warum sie trotzdem verteidigbar ist

Der Aufwand ist gering. Eine llms.txt für eine mittelgroße Website ist in einer Stunde geschrieben, bei einem gepflegten Redaktionssystem auch automatisch erzeugt. Das Verhältnis von Aufwand zu möglichem Nutzen ist damit günstig – nicht weil der Nutzen belegt wäre, sondern weil der Aufwand klein ist.

Hinzu kommt ein Nebeneffekt, der unabhängig von jeder Auswertung eintritt: Wer eine solche Übersicht schreibt, muss entscheiden, welche zwanzig Seiten die wichtigsten sind. Diese Übung ist regelmäßig unangenehm und regelmäßig aufschlussreich.

In eigener Sache: Die Portale dieses Netzwerks legen eine llms.txt an – aus genau dieser Begründung. Sie steht hier nicht, weil ihre Wirkung nachgewiesen wäre.

Was hineingehört

  • Eine Überschrift mit dem Namen des Angebots.
  • Zwei bis drei Sätze, worum es geht und für wen.
  • Eine gegliederte Liste der wichtigsten Seiten – als Markdown-Links, jeweils mit einer Zeile Erläuterung.
  • Ein Hinweis auf die Nutzungsbedingungen der Inhalte, soweit gewünscht.

Was nicht hineingehört: sämtliche URLs der Website. Dafür ist die Sitemap da, und sie wird nachweislich ausgewertet.

Ein häufiger Fehler

Verweise, die als bloße Adressen ohne Markdown-Verlinkung notiert sind, oder eine Fassung, die seit dem letzten Umbau nicht angefasst wurde und auf Seiten zeigt, die es nicht mehr gibt. Beides macht die Datei wertlos für den Fall, dass sie doch jemand liest.

Was das für die Anbieterauswahl heißt

Ein Angebot, das die Erstellung einer llms.txt als eigenständige Leistung mit eigenem Preisschild führt, verkauft eine Textdatei. Ein Anbieter, der sie beiläufig mit anlegt und dabei sagt, dass ihre Wirkung offen ist, beschreibt die Lage zutreffend.

Die Gegenfrage, die klärt: Welchen Beleg gibt es dafür, dass diese Datei ausgewertet wird? Die ehrliche Antwort lautet derzeit: keinen belastbaren.