Seit die Suche Antworten statt Linklisten ausgibt, gibt es ein neues Dreibuchstabenkürzel. Generative Engine Optimization, kurz GEO, manchmal auch als Answer Engine Optimization geführt. Die Frage, die dabei am seltensten beantwortet wird: Was davon ist tatsächlich neue Arbeit?
Der bekannte Anteil
Systeme, die Antworten formulieren, erfinden ihre Grundlage nicht. Sie greifen auf Inhalte zurück, die irgendwo im Netz stehen, und müssen diese finden, abrufen und einordnen können.
Damit gelten dieselben Bedingungen wie zuvor. Eine Seite, deren Inhalt erst durch JavaScript entsteht, ist für einen erheblichen Teil der abrufenden Programme leer. Ein Text ohne erkennbaren Autor und ohne Datum ist schwerer zu verwerten als einer mit beidem. Eine unklare Seitenstruktur erschwert die maschinelle Zuordnung – gestern wie heute.
Wer das ordentlich gemacht hat, hat den größten Teil der Arbeit bereits getan. Das ist die unspektakuläre Nachricht, die in Verkaufsgesprächen selten fällt.
Der neue Anteil
Drei Punkte lassen sich nicht auf bestehende Praxis zurückführen.
1. Wer darf lesen?
Neu ist die Entscheidung, welchen Programmen der Zugang zu den eigenen Inhalten offensteht. Die Unterscheidung verläuft zwischen Zugriffen, die Inhalte für das Training künftiger Modelle einsammeln, und Zugriffen, die im Moment einer Nutzerfrage eine Seite abrufen, um daraus zu antworten.
Diese Entscheidung fällt in der robots.txt, sie hat geschäftliche Folgen in beide Richtungen, und sie fällt in vielen Unternehmen unbewusst – nämlich dadurch, dass niemand sie trifft.
2. Abschnitte, die für sich stehen
Ein Text, der seine Aussage über sieben Absätze aufbaut, lässt sich schlecht in Ausschnitten wiedergeben. Einer, der die Antwort in einem klar abgegrenzten Abschnitt enthält und danach ausführt, lässt sich gut zitieren.
Man kann einwenden, dass das seit jeher gute redaktionelle Praxis ist. Das stimmt. Neu ist der unmittelbare Zusammenhang: Wer so schreibt, wird eher zitiert – und wer zitiert wird, kommt vor.
3. Die Frage nach der Messung
Der schwierigste Punkt. In Antwortsystemen gibt es keine Ergebnisliste mit Positionen, und dieselbe Frage führt zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu unterschiedlichen Antworten. Wer hier messen will, braucht ein anderes Verfahren als Ranktracking – und muss mit Schwankungsbreiten statt mit Positionen arbeiten. Wie das aussehen kann, steht in einem eigenen Beitrag.
Was nicht geht
Es gibt keine Einreichung, keine Anmeldung und keinen Platz, den man buchen könnte. Niemand kann zusagen, dass ein Unternehmen bei einer bestimmten Frage genannt wird. Wer es dennoch tut, verkauft entweder Unwissen oder rechnet damit, dass es niemand überprüft.
Ebenso wenig existiert eine „Position 1 in ChatGPT“. Der Satz beschreibt nichts, was es gibt – so wie es keine Seitenzahl in einem Gespräch gibt.
Die Preisfrage
Wenn der überwiegende Teil der Arbeit bekannt ist, stellt sich eine unangenehme Frage: Wofür genau ist der Aufpreis?
Eine brauchbare Antwort benennt die zusätzliche Arbeit konkret – etwa die Prüfung und Anpassung der Crawler-Zugänge, den Umbau vorhandener Inhalte auf zitierbare Abschnitte, den Aufbau einer regelmäßigen Erhebung mit festgelegtem Fragen-Set. Das ist echte Arbeit, sie kostet Zeit, und sie darf berechnet werden.
Eine unbrauchbare Antwort besteht aus einem neuen Leistungsnamen für dieselbe Tätigkeit. Wenn das angebotene Paket im Kern enthält, was vorher zum Grundpreis gehörte, sollte es auch dasselbe kosten.
Was daraus für die Auswahl folgt
Die aufschlussreichste Frage an einen Anbieter lautet nicht „was können Sie“, sondern: Welcher Anteil Ihrer GEO-Leistung ist klassische Optimierung, und welcher ist tatsächlich neu?
Wer darauf eine differenzierte Antwort gibt und den bekannten Anteil offen benennt, arbeitet an der Sache. Wer stattdessen eine neue Disziplin ausruft, arbeitet an der Positionierung.